Wandern
Passerschlucht, 987 m
- 7.4 km
- 03:00 h
- 387 m
- 70 m
Auf neuen Wegen der Spur der Wasserkraft folgenDas Passeiertal von St. Leonhard aufwärts ist ein wildes Tal, dem das Wasser seinen Stempel aufgedrückt hat. Die Gletscher haben es ausgeschliffen und einzigartige Gletschermühlen hinterlassen, die Wasser der Passer haben es eingekerbt und unzugängliche Schluchten geformt, Wasserfälle stürzen sich aus schwindelerregender Höhe in die Tiefe. In den 1960er- Jahren gab es Pläne, diesen Wasserreichtum zu nutzen und Stauseen zu bauen, u. a. in Lazins, Pfelders und Schönau an der Timmelsjochstraße. Das Projekt scheiterte nicht zuletzt am Widerstand der Bevölkerung, die das Schicksal der Menschen im Obervinschgau (Reschenstausee) und im Ultental (Zogglerstausee) mit Umweltzerstörung und großen Umsiedlungsaktionen vor Augen hatten. Die Realisierung eines umweltverträglichen Kraftwerks an der Passer benötigte Zeit. Erst nach Gründung der Enerpass, eines Konsortiums, an dem auch die drei Passeirer Gemeinden Moos, St. Leonhard und St. Martin beteiligt sind, konnte ein Wasserlaufkraftwerk ohne Rückstauanlagen gebaut werden, das 2008 fertiggestellt wurde. Dabei wird das Wasser der Passer in Moos in einen Stollen umgeleitet, um das tiefer gelegene Kraftwerk in St. Leonhard zu speisen. Der Schlucht zwischen Moos und St. Leonhard, durch die sich bisher die wilde Passer gewälzt hatte, wird dadurch viel Wasser entzogen. Nachdem sich die Enerpass zur Realisierung verschiedener Umweltmaßnahmen zu Gunsten der Bevölkerung verpflichtet hatte, entstand die Idee, diese Schlucht, die bisher nicht passierbar war, durch eine Steiganlage begehbar zu machen. Das ehrgeizige Projekt wurde in vierjähriger Bauzeit umgesetzt und seit 2015 ist die wilde Schlucht der Passer begehbar. Anfangs verläuft der Weg nah am Wasser, am Rand von Wiesen und durch Auwälder, aber bereits hier haben steile Felsplatten die Erbauer zur Anlage kühner Wegkonstruktionen gezwungen. Kurz vor der Brücke von Langwies beginnt die eigentliche Schlucht, durch die sich einst der Wildbach mit voller Wucht gezwängt hat. Seit der Wasserstand niedrig ist, wurden in der Schlucht ausgehöhlte Felsen, Kolke und Strudellöcher freigelegt, die uns die gewaltig formende Kraft des Wassers vor Augen führen. Auf Brücken und Stegen wandern wir durch die enge Felsenschlucht, ein spannender Weg, der uns zum Abschluss kurz vor Moos noch zu den eindrucksvollen Stieber Wasserfällen führt. Die beiden Kaskaden entwickeln auf ihrer Fallhöhe schäumende Gischtfontänen, die uns in einen gewaltigen Sprühschleier hüllen.
Ausgangspunkt: St. Leonhard in Passeier, großer Parkplatz am Sportgelände, 670 m.
A tour by:
Rother Wanderführer Südtirol - Wandern am Wasser (Evamaria Wecker, Primus Wecker)
