Skitour
Goinger Törl, ca. 2160 m
- 6.8 km
- 05:00 h
- 1172 m
- 1172 m
Pulverschnee oder Frühjahrsfirn Die Skitourensaison auf der Nordseite des Wilden Kaiser kennt zwei nahezu gegensätzliche Jahreszeiten: die stille Winterzeit und das turbulente Frühjahr. Im Hochwinter ist die Mautstraße von der Griesenau zur Griesner Alm für den allgemeinen Verkehr gesperrt. Dann nehmen nur wenige Individualisten den einstündigen Marsch auf der Langlaufloipe durch das düstere, oft eisig kalte Tal bis zum eigentlichen Ausgangspunkt in Kauf. In den letzten Jahren hat allerdings der geschäftstüchtige Wirt vom Alpengasthaus einen kostenpflichtigen Shuttle-Service angeboten und so werden auch in der »staaden« Zeit die Pulverschnee-Freunde im Griesner Kar immer mehr. Nahezu explosionsartig vermehren sich die Tourengeher aber alljährlich etwa ab Ostern, sobald der Schlagbaum öffnet. Dann kurvt Auto um Auto unterhalb der Nordwände von Lärcheck und Mitterkaiser hinauf zum riesigen Parkplatz. An einem sonnigen Karfreitag ist es daher nicht ungewöhnlich, wenn man sich plötzlich mittendrin in der durchgehenden Karawane zwischen Griesner Alm und Fritz-Pflaum-Hütte befindet. Wer im Frühjahr im Griesner Kar die Einsamkeit sucht, ist definitiv am falschen Fleck. Diese Traditionstour im Kaiser hat dann andere Vorzüge. Landschaftlich spielt sie jedenfalls in vorderster Liga. Immerhin führt die Spur anfangs unter die eindrucksvolle Steinerne Rinne, um im Anschluss am Fuß der 800 m hohen Nordostwände von Predigtstuhl und Goinger Halt in einem felsumkränzten Bilderbuchkar aufwärtszuziehen. Nach etwa 2 Stunden erwartet uns dann die Qual der Wahl: Sollen wir die Tour mit einer gemütlichen Brotzeit an der Fritz-Pflaum-Hütte inklusive den sicherlich vielfältigen Gesprächsmöglichkeiten beschließen und dann mehr als gesellschaftliches Event verbuchen oder sollen wir eine der sportlicheren Varianten wählen? Derer bieten sich gleich mehrere in Form steiler, oft schmaler Schneerinnen an, die zwischen den Felswänden zu den tiefen Einkerbungen hinaufziehen. Die rassigste Variante wäre das Schönwetterfensterl – eine 350 m hohe Steilrinne, die im obersten Abschnitt kaum breiter ist als die Tourenski lang sind. Im Frühjahr bei harschigem Schnee würde ein Sturz aber unweigerlich erst unten am Fuß der Rinne enden. Etwas gemächlicher und daher deutlich frequentierter ist hingegen der Aufstieg auf das Goinger Törl. Der Hang ist zwar ebenfalls im obersten Teil recht steil, aber deutlich breiter und aufgrund der ostseitigen Ausrichtung weicht der Schnee dort im Frühjahr besser auf als in den schattigeren Rinnen. Nach einer hoffentlich sonnigen Rast geht es dann an die Abfahrt. Beinahe 1200 Höhenmeter sind es von der Scharte hinab bis zur Einkehr an der Griesner Alm. Wer hier im Frühjahr nach einem Neuschneefall der Erste sein möchte, muss schon sehr früh aufstehen – und sich sicher sein, dass sich nicht zu viel der weißen Pracht oben auf den Terrassen in den Wänden abgelagert hat, um als Lawinen durch die Kare zu fegen. Liegen aber nur 10 bis 20 cm frischer Schnee auf der oft pistenähnlich eingefahrenen Route, so sind nur kleinere Rutsche zu erwarten und einer rauschenden Abfahrt steht nichts mehr im Wege.
Ausgangspunkt: Großparkplatz an der Griesner Alm (988 m) – von der Griesenau auf 5 km langer Mautstraße ab etwa Ostern mit Kfz zugänglich. Sonst Parkplatz an der Mautstelle (730 m) und Shuttle-Taxi von der Griesner Alm bestellen oder zu Fuß gehen.Anforderungen: Bis zur Hütte überwiegend mittelsteiles Skigelände mit einer kurzen Waldpassage.
A tour by:
Rother Wanderführer Münchner Skitourenberge (Markus Stadler)
